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SPD OV Cadolzburg.

Brusela-Report :

Der Brusela-Report ist das kommunale politische Magazin der Cadolzburger SPD.
Der Brusela-Report erscheint 3x jährlich und wird kostenlos an alle Haushalte in Cadolzburg und seinen Außenorten verteilt.

 

Fritz Stiegler im Gespräch mit Johannes Strobl :

Bildung & Kultur

Hintergründe eines Romans

In seinem Roman-Erstling „Valentina“ schildert der Gonnersdorfer Autor Fritz Stiegler das Schicksal einer jungen Zwangsarbeiterin auf einem fränkischen Bauernhof am Ende der Nazi-Diktator. Über die Hintergründe des Buchs, die Stoffsuche und die Resonanz von „Valentina“ unterhielt sich Johannes Strobl, der einen Hof im benachbarten Greimersdorf bewirtschaftet, mit Fritz Stiegler.

Strobl: Wie kam´s überhaupt dazu, einen Roman zu schreiben?
Stiegler: Nachdem ich Gedichte und Musicals geschrieben hatte, wollte ich das mit dem Roman einfach probieren. Außerdem würden die ganzen Erinnerungen der vielen Zeitzeugen ja unwiderruflich verloren gehen, wenn man sie nicht wenigstens literarisch dokumentiert.
Allerdings muss ich heute eingestehen, dass ich die drei Jahre Arbeit an dem Buch arg unterschätzt habe. Wenn ich nicht schon so vielen Leuten von dem Projekt erzählt gehabt und mir damit selbst einen gscheiten Druck gemacht hätte, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht durchgehalten.
Strobl: Was war der Auslöser, Dich mit dem Thema Zwangsarbeit und den damit verbundenen Menschen zu beschäftigen?
Stiegler: Da ist es mir nicht anders ergangen als Dir; der Krieg und die Geschehnisse auf dem Hof während dieser Zeit waren in der Familie ständiges Gesprächsthema – und dabei vor allem das tragische Schicksal unseres französischen Zwangsarbeiters Franz. Er wurde bei uns auf dem Hof versteckt, als die Zwangsarbeiter kurz vor Kriegsende deportiert wurden. Obwohl die Amis schon von Westen her anrückten, suchten die letzten Landsturmposten noch nach versteckten Zwangsarbeitern. Da hat unser Franz Panik bekommen, hat sich gestellt, wurde wohl auf dem Marsch nach Süden erschossen.
Weil ich nicht wollte, dass in meinem Roman ein Mann die Hauptrolle spielt, habe ich bei meiner Zeitzeugensuche über die Tageszeitungen bewusst nach Frauen gesucht, die von dort berichten konnten.
Strobl: Und dabei hat sich dann die echte „Valentina“ gemeldet?
Stiegler: Die Frau ist nach dem Krieg wieder in die Ukraine zurückgekehrt, hat aber in den 80er Jahren sogar einmal Langenzenn besucht. Über Bekannte aus Nürnberg hat sie von meinem Aufruf erfahren. Ich konnte dann zweimal mit ihr telefonieren.
Strobl: Einige Leute fragten mich bereits, auf welchem Gonnersdorfer Hof Valentina denn nun Unterschlupf gefunden hätte. Die Zwangsarbeiterin Valentina ist Realität, aber die Verbindung mit Gonnersdorf ist Fiktion, oder?
Stiegler: Bis zur Ankunft im zentralen Zwangsarbeiterverteilerlager in Neumarkt entspricht die Handlung den Schilderungen der echten „Valentina“, danach habe ich die verschiedenen Erzählstränge miteinander verwoben. Die Geschehnisse im Langenzenner Lager entsprechen aber überwiegend den Schilderungen der Zeitzeugen, zum Beispiel auch aus den bekannten Kostrzenski-Aufzeichnungen.
Strobl: Valentina ist im Roman auf dem Heubeckshof eine gute Behandlung wiederfahren. Nicht überall gab´s aber eine „Marie“ als Bäuerin.
Stiegler: In Gonnersdorf sind die Zwangsarbeiter generell gut behandelt worden. In umliegenden Dörfern gab es dagegen auch schlimme Übergriffe auf Zwangsarbeiter. Die gute Behandlung in Gonnersdorf war wohl eher Zufall. Nicht unwichtig war sicher auch die Frage, wie stark die jeweiligen Dorfgemeinschaften in die Nazi-Ideologie verstrickt waren.

 

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